Öffentliche Anprangerung von Infizierten – Eine große Gefahr

In den letzten Wochen wurden immer wieder News laut, dass Infizierte trotz der Quarantäne unterwegs sind. So war es auch in Grenchen SO, wo eine infizierte Frau trotz des Wissens um ihre Infektion eine Party besuchte. Dadurch stehen jetzt mehrere Hundert Personen unter Quarantäne. Nun wurde die Corona-Infizierte von einer Zeitung öffentlich an den Pranger gestellt, auch, wenn das Bild mit einem Balken unkenntlich und der Name geändert wurden. Dennoch kritisieren Experten diesen Schritt scharf.

 

Gefährliche Anprangerung

Der Aargauer SP-Nationalrat Cédric Wermuth zeigt sich geschockt über die Bloßstellung der jungen Frau in der Zeitung. In einem Twitter-Post bezeichnete der Politiker das Verhalten des Nachrichtenblatts als „richtig, richtig gefährlich“. Weiterhin gibt er dazu an: „Wir haben uns nicht über Wochen mit einer App beschäftigt, um die Persönlichkeit der Infizierten zu schützen, nur damit die Zeitung das nun alles kaputtmacht.“ Doch nicht nur er sieht die Anprangerung der Club-Gängerin kritisch, sondern auch Ueli Mäder, Soziologe an der Universität Basel. Zunächst gibt dieser an: „Es ist wichtig die Information zu verbreiten, dass wegen einer Person nun über 200 Menschen in Quarantäne gehen müssen“. Jedoch gibt er auch an, dass es falsch sei, diese Person zu personifizieren. „Es ist ethnisch unhaltbar, eine unbekannte Frau abzulichten und gleichzeitig anzuprangern. Das lenkt nur vom eigentlichen Problem ab.“

 

Aufklärung ist der richtige Weg

Einer der großen Probleme ist, dass der schwarze Balken vor den Augen der Frau wohl kaum vor einer Identifizierung schützt. Kennt jemand die Dame, erkennt er sie auch anhand des Mundes, der Frisur oder anderer Gesichtsmerkmale. Insofern ist die Frau nicht mehr unbekannt, was schlimme Folgen haben kann. Vermehrt wurden Nachrichten laut, dass Infizierte angegriffen wurden, vorrangig in den sozialen Netzwerken. Eine solch öffentliche Anprangerung kann das gesamte Leben der Frau zerstören, nicht allein durch die Erkrankung. Deshalb sagen auch die Experten: „Aufklärung ist nützlicher als die Abschreckung.“ Nun denken Sie bestimmt, dass eine öffentliche Anprangerung auch zur Abschreckung beiträgt, doch damit liegen Sie falsch. Der Basler Soziologe Ueli Mäder sagt dazu, dass eine solche Anprangerung Personen nur kurzfristig dazu bewegen kann, irgendwas zu unterlassen, aber nicht auf Dauer. Stattdessen sollen sich Menschen gegenseitig dabei unterstützen, sich sozial zu verhalten.